Der Ethik-Monitor der Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik ist eine sozialwissenschaftliche Werte-Studie, die in Zusammenarbeit mit der Universität Bamberg und mit der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen entwickelt wurde und regelmäßig mit verschiedenen Projektpartnern durchgeführt wird. Ausgehend von jeweils zirka eintausend repräsentativ ausgewählten, persönlichen Interviews macht der Ethikmonitor Aussagen über Werte und Einstellung der Bevölkerung und widmet sich den Haltungen der Menschen zu politischen und wirtschaftlichen Institutionen und deren Repräsentanten, zu Gerechtigkeitsfragen sowie zur Akzeptanz des politischen und wirtschaftlichen Systems im Allgemeinen.

Der Ethik-Monitor 2010 befasste sich mit der Frage inwiefern die Bundesbürger Vertrauen in die Systeme und Institutionen in Deutschland haben. Außerdem wurde ein Werteindex erstellt, in dem die wichtigsten Werte und deren Zuschreibung zu deutschen Führungskräften aus verschiedenen Bereichen abgebildet wurden. Im Verantwortungsindex ging es vor allem um die Frage, wofür Unternehmen Verantwortung übernehmen sollen. Der Praxisindex griff aktuelle ethische Fragestellungen aus Wirtschaft und Politik auf. Die Grundlage des Ethik-Monitors bildete ein Online Panel mit repräsentativer Stichprobe von n=1000. Die Umfragen wurden im Auftrag der respondi AG durchgeführt.

Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung der Ergebnisse der 1. Phase. Die gesamten Ergebnisse entnehmen Sie bitte dem Downloadbereich auf der rechten Seite. Ergebnisse der 2. Phase die den Schwerpunkt auf die Landtagswahl in NRW 2010 gelegt hat, finden sie ebenfalls im Downloadbereich.

Vertrauensindex - Demokratie weckt mehr Vertrauen als das Wirtschaftssystem

An die Funktion der Demokratie glauben 2010 deutlich mehr Deutsche als an die Funktion des sozialen Sicherungssystems und des Wirtschaftssystems. Die wenigsten Bundesbürger vertrauen der Funktion des Finanzsystems, das mit Abstand die wenigste Zustimmung erhalten hat. Im Hinblick auf das zugeschriebene Vertrauen, stehen die mittelständischen Unternehmen und kleinen Banken und Sparkassen erheblich besser da, als große Wirtschaftsunternehmen und Großbanken. Interessanterweise schneidet die Bundesregierung vergleichsweise ähnlich schlecht ab wie die großen Wirtschaftsunternehmen, wohingegen Gewerkschaften und die kommunale Verwaltung deutlich besser im Vertrauensranking dastehen. Parteien und Aufsichtsräte bilden zusammen mit der katholischen Kirche das Schlusslicht. Die evangelische Kirche hingegen liegt weit vor der katholischen Kirche im Mittelfeld des Rankings. Diejenigen, die dem Wirtschaftssystem generell wenig Vertrauen schenken, haben im Vergleich zu den großen Wirtschaftsunternehmen immer noch ein hohes Vertrauen in die kleinen und mittelständischen Unternehmen. Auch bei der Funktion des Finanzsystems werden kleine Banken und Sparkassen von denen, die an sich wenig Vertrauen haben, deutlich besser bewertet als die Großbanken. Im Vergleich der Konfessionen ist es bemerkenswert, dass die befragten Katholiken der evangelischen Kirche derzeit mehr Vertrauen schenken als ihrer eigenen Kirche.

Werteindex - Ehrlichkeit ist der wichtigste Wert

Im Jahre 2010 ist der wichtigste Wert der Deutschen „Ehrlichkeit“. Auf den Rängen zwei und drei folgen „Gerechtigkeit“ und „Verlässlichkeit“. Das Werteranking der Führungskräfte wird von Margot Käßmann angeführt. Dahinter folgt Joachim Löw. Angela Merkel hat die beste Platzierung von den Politikern vor Sigmar Gabriel. Deutlich hinter beiden rangiert Guido Westerwelle. Die Manager scharen sich um Guido Westerwelle, Robert Zollitsch von der katholischen Kirche bildet das Schlusslicht. In der ethischen Performance liegt die Bundeskanzlerin deutlich vor Josef Ackermann und Guido Westerwelle. Margot Käßmann wird fast doppelt so gut bewertet wie Robert Zollitsch.

Verantwortungsindex - Unternehmen sollen Mitarbeiter und Umwelt schonen und Arbeitsplätze schaffen

In einem Jahr, das noch stark von den Ausläufern der Finanzkrise geprägt ist, geben die Probanden auf die Frage, wofür Unternehmen Verantwortung übernehmen sollen ein klares Votum für die Mitarbeiter ab. Auf den Plätzen zwei und drei rangieren „Arbeitsplätze schaffen“ und „die Umwelt“. Die Aktionäre hingegen sind deutlich auf den letzten Platz gewählt worden. Bei der Entscheidung für oder gegen eine Zusammenarbeit zwischen Unternehmen sollte es für eine überzeugende Mehrheit der Deutschen für ein Unternehmen wichtig sein, inwieweit das jeweils andere Unternehmen Verantwortung für die Umwelt und seine Mitarbeiter übernimmt.

Praxisindex - Unternehmensspenden an Parteien werden skeptisch beurteilt

Eine deutliche Mehrheit der Befragten spricht sich dafür aus, dass ein Manager nicht mehr als das 20fache des Gehaltes eines Durchschnittsverdieners erhalten sollte. Wenig Unterstützung von der Bevölkerung erhalten Unternehmen bei dem Versuch, eigene Interessen in der Politik mithilfe von Parteispenden durchzusetzen. Noch kritischer wird die Nachvollziehbarkeit der Interessensvertretung von Unternehmen in der Politik durch die Öffentlichkeit bewertet.